Ausstellung Junge Kunst Wettbewerb

Gewinnerin: Catharina Szonn

Wettbewerb des Kunstvereins Konstanz für eine Ausstellung junger Künstlerinnen und Künstler

160 Jahre Kunstverein Konstanz – zu diesem Jubiläum hatten namhafte Künstlerinnen und Künstler Werke zur Verfügung gestellt, die, Höhepunkt des Jubiläumsfests, versteigert wurden. Der Erlös dieser Versteigerung war der Förderung junger Künstlerinnen und Künstler gewidmet worden. Ausgelobt wurde dazu ein Wettbewerb für ein Ausstellungskonzept, zu realisieren in den Räumen des Kunstvereins Konstanz mit einem Künstler-Budget von 10.000 €.

Die Resonanz auf diese Ausschreibung war sehr vielfältig: 35 junge Künstlerinnen und Künstler (Altersgrenze: 35 Jahre) reichten Ideen, Skizzen, Modelle und Werkproben ein, die von einer Fachjury (Markus Daum, Bildhauer und Grafiker; Prof. Simon Gallus, Fotograf und Dozent an der Hochschule für Kommunikation und Gestaltung, Ulm; Prof. Dr. Jürgen Stöhr, Dozent für Kunstwissenschaft/ Kunstgeschichte, Universität Konstanz) in mehreren Durchgängen bewertet wurden.

Nun steht die Wettbewerbs-Gewinnerin fest: Catharina Szonn.
Die in Frankfurt lebende Künstlerin überzeugte mit einem Konzept,
das den Arbeitstitel „Konstante Verhältnismäßigkeit der Positionswechsel“ trägt. 

Catharina Szonn begreift ihre künstlerische Arbeit als eine Auseinandersetzung mit technologischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten unserer Gegenwart. Diese Auseinandersetzung kommt dabei aber nicht aus ohne Rückgriffe auf bereits vergangene Kulturphänomene, deren offensichtliche Vergänglichkeit die Spur zu revitalisierenden Zukunftsbotschaften legen können. So sieht Szonn in einer gegenwärtigen kulturellen Rückwende zum Analogen ein Begehren nach einem real existierenden Moment von Form und Material. Sie arbeitet mit Maschinen und Objekten, die, mit kultureller Erinnerung aufgeladen, in ihren Funktionsprozessen für zielgerichtete Bewegung stehen und zugleich durch zirkelhafte Wiederholung und fortschreitende Abnutzung ihre eigne Zersetzung zeigen.  Für die Ausstellung, die sie 2020 im Kunstverein Konstanz einrichten wird, wählt Szonn einen 500 kg schweren, fast 5 Meter langen und über 2 Meter in die Höhe ragenden Teppichpaternoster, der statt der herkömmlichen,    zirkulierenden Präsentation von Auslegware ganz unterschiedliche Materialien, möglichst leichter, flexibler Machart, in Bewegung bringen wird und damit gleichzeitig in einen Prozess der Veränderung und Auflösung – eine Choreografie, so Szonn, bei der die Objekte zu Performern ihrer eigenen Abnutzung werden.

Die Jury überzeugte, in welcher Weise Szonn den in der Ausschreibung geforderten Bezug auf die Räumlichkeiten des Kunstvereins mit Flur und den beiden Oberlichtsälen umsetzte: der Teppichpaternoster als zentrale Installation wird den historischen, großen Oberlichtsaal besetzen. Als Schleuse oder Transitraum dorthin wird der Flur mit LED-Laufschrift-Panels bestückt, die hinter Staubnetzen an Wänden, Decke und Boden angebracht, in ständiger Kreisbewegung die Empfindung textlicher Überfrachtung erzeugen und zugleich die Paternoster-Bewegung eines unaufhaltsamen Auf- und Abstiegs vorwegnehmen. Der weitere Ausstellungsraum wird als Lagerraum umfunktioniert, in dem die Teppichpaternoster-Materialien eng gestapelt sind, um wiederum Eindrücke der Überladung hervorzurufen, diesmal im Kontrast zu der Bewegtheit von Objekten und Maschine in den Nachbarräumen.

In Szonns Gesamtinstallation sah die Jury eine postmoderne Fortführung von Kunstkonzeptionen, wie sie etwa in den Arbeiten eines Jean Tinguely enthalten sind - besonders gewinnend wirkten die möglichen, ironischen Brechungen, die aus dieser eigenständigen, künstlerischen Verschmelzung von Text, plastischer Arbeit und installativer Konzeption hervorschienen.

Fotos: Catharina Szonn

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