JUNIMOND

Anna Lehmann-Brauns

Vernissage                      Freitag, 16.02.2018

                                          19 Uhr Einführung: Dorothea Cremer-Schacht, Kunstverein Konstanz

                                          17 Uhr Einführung: Marie-Louise Namislow, Galerie Grashey

 

Räume sind das zentrale Motiv von Anna Lehmann-Brauns. Sie findet sie in Hotels, Diskotheken, Theatern, Lichtspielhäusern, Clubs, Bars, Filmstudios und Fabrikationsanlagen. Ihre detailgetreuen Interieurs wirken wie aus der Zeit gefallen, alles scheint still zu stehen. Den farbstarken Szenerien haftet etwas Zauberhaftes, teils Skurriles an. Alles gleicht mehr einer subjektiven Zustandsbeschreibung, denn einer objektiven Wirklichkeitsabbildung - unterstrichen durch die gemäldehafte Anmutung der Fotografien. Die Fotokünstlerin erzählt Geschichten, die uns tief ins Bild ziehen und unsere Fantasie beflügeln und unsere Vorstellung herausfordern. Sind das reale Räume oder Kulissen oder Bühnen? Und wo sind die Menschen?

Der Kunstverein Konstanz präsentiert in Zusammenarbeit mit der Konstanzer Galerie Grashey eine Übersicht über Lehmann-Brauns Schaffen der letzten Jahre. Gezeigt werden Ausschnitte aus den Werkreihen Deaf/Taub, Paradise Lost und Spandau, die von Räumen urbanen Lebens aus neuerer Zeit handeln. Das Hauptaugenmerk der Schau richtet sich auf die jüngste Serie der Künstlerin mit dem Titel WildSideWest. Diese entstand 2016 während eines mehrmonatigen Aufenthaltes in Kalifornien. Hier widmet sie sich intensiv alternativen Lebensformen in San Francisco. In dem für seine LGBT-Community bekannten und legendären Viertel Castro fotografiert sie Clubs von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transsexuellen und gewährt Einblick in eine Welt, die viele nie betreten. Charakteristisch für diese Arbeit ist – gleich den anderen ausgestellten Werkreihen – die Abwesenheit von Menschen. In WildSideWest positioniert Lehmann-Brauns die Kamera dann, wenn weder Bardamen oder Barkeeper noch Inhaber oder Gäste anwesend sind. Es geht nicht um den Menschen, sein Verhalten, seine möglichen Ausschweifungen, ihre Neugier gilt dem Raum, wenn er verwaist ist und den Blick auf Barhocker, Billardtische, beschriftete Schilder und Wandbemalungen freilegt oder Eigenheiten und Geheimnisvolles zu offenbaren scheint. Trotz der Leere sind die Spuren der Menschen sichtbar. Für Matthias Harder von der Berliner Helmut-Newton-Stiftung kommt Lehmann- Brauns fotografischer Ansatz einer systematischen Untersuchung gleich, die nicht nur eine ästhetische, sondern eine gesellschaftliche Studie ist.

Lehmann-Brauns‘ fotografiert mit klassischen Werkzeugen: Mittelformatkamera, Analogfilm von bis zu 6 x 9 Zentimetern, Stativ. Bis auf die Beseitigung einiger Störenfriede wie Aschenbecher und Zimmerpflanzen, hat sie die Orte wie vorgefunden festgehalten. Das Licht spielt eine zentrale Rolle. Sie nutzt oft das spärliche Licht der Nacht, das lange Belichtungszeiten erfordert. Ob sie ausschließlich das am Aufnahmeort vorhandene Licht verwendet oder die Beleuchtung selbst setzt, ist von der jeweiligen Serie abhängig. Abgesehen von der Beschneidung der Ausschnitte bei der Vergrößerung, werden die Aufnahmen nicht verändert. Zu ihrer handwerklich versierten Arbeitsweise gesellt sich eine bildnerische Inspiration. Mit hell erleuchteten Bildteilen im Kontrast zur dunklen Umgebung, mit opulentem Rot, Türkis, Braun oder Lila und mit bestechend klarer Komposition verleiht sie ihren Bildern Glanz und Schönheit. Ihre Fotografien sind durch und durch abbildhaft und real und doch zugleich malerisch und illusionär. Ihre formal unterschiedlichen Serien entfalten die gleiche Wirkung.

JUNIMOND, der Titel dieser Ausstellung, ist dem gleichnamigen Lied des früh verstorbenen Rio Reisers entnommen, dessen Songs eine wichtige Rolle in Lehmann-Brauns Jugend und Erinnerungswelt spielen.

Die Ausstellung wird unterstützt von Steigenberger Inselhotel Konstanz, Zahn Malerfachbetrieb Konstanz.

 

Kurzbiografie:

Anna Lehmann-Brauns (*1967) lebt und arbeitet in ihrer Geburtsstadt Berlin. Sie studierte Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig und besuchte die Meisterklasse von Joachim Brohm. Ihre Arbeit wurde mehrfach mit Preisen und Residency-Programmen ausgezeichnet und unterstützt. Ausgestellt hat sie in nationalen und internationalen Häusern; Einzelausstellungen widmeten ihr in den letzten drei Jahren u.a. Haus am Kleistpark, Berlin; Galerie Springer, Berlin; Galerie Greulich, Frankfurt; Galerie 94, Baden, Schweiz; Galerie Strümpfe - the supper artclub, Mannheim; Galerie Grashey, Konstanz. Vertreten wird sie von den Galerien Springer und Greulich.

 

 

Kunstverein Konstanz, im Kulturzentrum am Münster, Wessenbergstr. 39/41, D-78462 Konstanz

Tel. + 49 (0) 7531-22 351, www.kunstverein-konstanz.de

Geöffnet Di-Fr 10-18 Uhr, Sa-So 10-17 Uhr

 

In Kooperation mit Galerie Grashey, Schützenstr. 14, D-78462 Konstanz

Tel. + 49 (0) 7531-16 614, www.grashey.eu

Geöffnet Mi-Fr 15-18 Uhr

 

 

Künstlergespräch:

11.3.2018, 11 Uhr Dr. Matthias Harder, Hauptkurator Helmut-Newton-Stiftung Berlin im Gespräch mit Anna Lehmann-Brauns

 

Führungen:

Do 1.3.18 um 18.30 Uhr

Do 22.3.18 um 18.30 Uhr

So 8.4.18 um 11.30 Uhr (Finissage) 

Weitere Führungen auf Anfrage

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